Der 2020 Krisenblog

Fünfundzwanzigster Tag

Die Regierung von Panama hat strenge Geschlechtertrennung angeordnet. Jeden Tag wechselnd dürfen entweder nur Frauen oder nur Männer außer Haus gehen. Der Verkauf von Alkohol wurde auch verboten. Der Sinn dieser Maßnahmen bleibt im Dunkeln, es ist aber immerhin interessant, auf welche Ideen Regierungen so kommen können. Mein Mitgefühl gilt den Panamerinnen und Panamern – oder heißt das Panamesen? Oder Panamaer?

Das „wir“ ist ein superelastisches Wort, ein Zauberwort geradezu. Als Beispiel: Kardinal Schönborn meint, dass „wir“ die Globalisierung korrigieren müssen. Eine seltsame Verwendung des „wir“: sie schließt den Sprecher eigentlich aus. Kein Interviewer kommt nach diesem Satz auf die Idee, das Gegenüber zu fragen, was das für seine Organisation bedeuten würde, schließlich ist die katholische Kirche ja das Musterbeispiel einer global agierenden und noch dazu hochzentralistischen Organisation.

Das ist ein unsituiertes Sprechen. Als schwebte der Sprecher irgendwo, als Instanz, die zu richten habe über die Welt und die ihr gute Ratschläge geben könnte.

Was mir dabei abgeht ist eine Demut ob der Größe und Vielfalt der Welt, und das Wissen, dass es nicht nur an der Blödheit der Menschen (der/die Sprecher/Sprecherin jeweils ausgenommen), an der Skrupellosigkeit der Machthaber etc. liegt, wenn nicht alles hier, dort und in Übersee so ist, wie wir es uns in unseren humanistisch gesinnten Köpfen als SOLL-Zustand ausmalen.

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Kardinal ist mir heute nur zufällig untergekommen. Diese Art des Sprechens findet man quer durch die Weltanschauungen und Blasen.

Our little World: der blühende Ahorn, die blühenden Wildkirschen, und Strukturen von Altholz und vertrocknendem Schilf. Der Autoverkehr war auch schon einmal schwächer. Und an den neuen Alltag habe ich mich schon so gewöhnt, dass ich nicht mehr sicher bin, ob ich mich darauf freue, in der Gegend herumzufahren mit Öffis oder Auto.

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